Schweizer Literatur

Aktuelle Schweizer Autoren
 

Meta





 

Archiv

Ménage à trois - Die Liebe zu dritt leben und lieben von Juerg Kilchherr

 

In Schweiz gibt es nach Schätzungen 2 Millionen Bisexuelle.
Doppelte Sehnsucht, doppelte Scham, doppelte Lust und doch ein Problem, die Angst aus dem sozialen Gefüge herauszufallen.
Mit dem Berner Schriftsteller Juerg Kilchherr wagt sich zum ersten Mal ein Schweizer Literat an eine Lebensform der besonderen Art in seinem Roman “Ménage à trois”. Dabei bindet er die körperlichen Sehnsüchte in die politischen und sozialen Geschehnisse der letzten zwei fünf Jahre zu einem atemlosen Abenteuer. Mehr Infos www.juergk.beepworld.de

 

 

 

Diee Schweiz hat einen neuen Literaturstar: MARTIN SUTER

Nach dem Tode von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt begann in der Schweiz eine Zeit von Debütanten wie etwa Zoe Jenny oder Gion Mathias Cavelty, die mit ihren Erstlingswerken zwar den Verlust in der Schweizer Literatur füllen konnten, doch keinem gelang ein anhaltender Erfolg bis Martin Suter 1991 kam. War der damals 50-jährige als Kolumnist der “Weltwoche” und als Leiter einer Marketingagentur in Zürich bekannt, gelang ihm mit “Small world” (die Geschichte über den Verlauf einer Alzheimer Erkrankung bei Konrad Lang, der auf sonderbare Weise mit dem Inhabern eines schweizerischen Konzern verbunden ist und dessen Streit um ein Erbe) gleiche der grosse Wurf. Die Mischung aus medizinkritischen Ansätzen mit Krimielementen und Gesellschaftsthemen war neben der bis ins letzte Detail durchdachten Romanhandlung und dem schnellen Schreibstil eine immer wiederkehrende Eigenschaft in den folgenden Jahren, die zu einer grossen Fangemeinde führte. Seine Werke waren stets Bestseller wie das 2000 erschienene “Die dunkle Seite des Mondes” (erzählt vom erfolgreichen Wirtschaftsanwalt Urs Blank, dessen Leben durch halluzinogene Pilze aus den Fugen gerät) oder 2002 “Der perfekte Freund” (nachdem der 33-jährige Fabio Rossi aufgrund eines Schlages auf den Kopf im Krankenhaus erwacht, kann er sich nicht mehr daran erinnern, was in den letzten 50 Tagen vorgefallen ist. Doch das Geschehene bricht auf ihn ein in Form einer neuen Freundin, Marlen, neuen Freunden und des aufgegebenen Jobs als Journalist beim „Sonntag Morgen.)
Neben der Schweiz war und ist Deutschland von Suters Romanen angetan wie ein Blick in die aktuellen Hitlisten zeigt. Doch auch die Kritiker und Literaturgremien liebten den Schweizer. 2003 erhielt er den Deutschen Krimipreis und 2003 den Friedrich Glauser Preis.

Der zwischen Zürich, Ibiza und Guatemala reisende Weltenbürger Suter verstand es nicht nur Bücherfans ans sich zu fesseln sondern auch Drehbücher für generationsüberschreitende Filme wie “Gulias Verschwinden” (2009) oder mit dem Musiker Stefan Eicher Texte für dessen Album “Eldorado ” (2007) zu schreiben. Für das Theater am Neumarkt in Zürich verfasste Suter auch zwei Komödien: Über den Dingen (2004) und Mumien (2006), mit denen er auch als Theaterautor Erfolge feierte.
Ein solch auf vielen Bühne sich zu Hause fühlenden Schreiber, war und ist immer auch immer ein Liebling der Presse, die ihn stets gross inszenierte wie auch das neuste Werk “Der Koch”. Seit Wochen ist das neuste Werk “Der Koch” an der Spitze der meist verkauften Bücher. Seine Mischung über die weltweite Finanzkrise, Bürgerkrieg in Sri Lanka und eine Firma, die in aller Verschwiegenheit boomt und einen tamilischen Koch, der “love food ” herstellt, ist die Gradwanderung zwischen politischer Gegenwart, Liebesgeschichte, Exotik und Sinnlichkeit, die Suters Flair für leicht zu lesende Unterhaltung mit Anspruch von Neuem bestätigt.
Alle besprochenen Bücher sind im Diogenes Verlag erschienen.

Camus in der Schweiz heute

Auch wenn Frankreich zum 50. Todestag von Albert Camus Grosses vorhat, in der Schweiz ist das nicht so, weil er nie weg war. Im Gegensatz zu Jean Paul Satre, der zu Lebenszeit erfolgreicher war, gelang es Albert Camus mit Bücher wie “Die Pest” oder der Fremde” über seinen Tod im Schulzimmer über Generationen anwesend zu sein. Ob Pflicht oder Entdeckung für die Schüler war der Existenzialist eine Entdeckung, die sie später als Erwachsener auch im Theater weiterführen konnten. Da die Schweiz viersprachig und mein Wohnort Bern nah zum französischsprachigen Teil liegt, ist hier Camus auch als markttechnischen Gründen immer auf dem Spielplan der Theater, da er Besucher auch aus der Romandie anzieht.Nicht unbedingt die Deutung sondern das Lesen seiner Bücher ist an Buchhandlungsabend ein Thema, wo sich allerdings junge Autoren nicht mehr mit seiner Sicht der Welt indentifizieren können sondern ihn nur als Teil der Geschichte und als leicht depressive Gestalt ohne grosse Frauengeschichten wahrnehmen. Juerg Kilchherr

Milena Moser : Süchtig nach Schreiben

Wenn momentan der deutsche Literaturbetrieb vorallem über den Schweizer Autoren Martin Sutter schreibt, ist ihm Milena Moser dicht auf den Spuren ebenso erfolgreich zu sein. Ihr 14. Roman “Möchtegern” (Nagel & Kimche)  ist die Gesichte einer bekannte Schriftstellerin Mimosa Mein, die viele Jahre zurückgezogen auf dem Land lebte. Sie tritt wieder vor die Öffentlichkeit als Jurorin einer Castingshow. Dort wird sie mit den Lebensgeschichten von Menschen konfrontiert, die buchstäblich alles riskieren, um berühmt zu werden. Und Mimosa Mein riskiert fast alles, um ihnen dabei zu helfen.
Das Thema Ruhm und ihre Hintermänner, aktuell durch die vielen Castingsshow im Fernsehen, aus der Sicht einer Frau erzählt, ist ein typischer Milena Moser Stoff. Die Zürcherin und Mutter zweier Söhne hat sich seit ihrer Erstveröffentlichung Die Putzfraueninsel. Roman. Krösus, Zürich 1991, spezialisiert auf die Freuden und Tücken des Frauenalltages und -lebens. Sie jongliert mit ihrem Schreibstil mit den Konventionen und Klischees einer Frau, setzt Lustiges und Trauriges nebeneinander und hat ein Faible für Pointen, die über einen Gag hinausreichen.
Milena Moser lebt heute nach ihrer Rückkehr aus San Francisco in Möriken, einem beschaulichen Ort im Kanton Aargau. Geboren wurde sie vor 46 Jahren als Tochter der Psychologin Marlis Pörtner und des Schriftstellers Paul Pörtner in Zürich. Bereits mit acht Jahren schreib sie Geschichten und wollte im Leben nur eins: Schreiben. Deshalb erstaunt es umso mehr, dass sie nicht studierte sondern eine Buchhändlerlehre absolvierte und für das Schweizer Radio schrieb. Leider waren die 80er Jahre keine Zeit für Experimente im Buchbetrieb. Moser fand keinen Verleger ihrer flippigen Stoffe. So gründete sie kurzerhand ihren eigenen Verlag Krösus. Schon bei Die Putzfraueninsel mit seinem Inhalt von einer jungen Putzfrau, die mit ihrem beim Wischen und Schrubben erworbenen Insider-Wissen eine verlogene Musterfamilie enttarnt und dadurch die Karriere einer fiesen Lokalpolitikerin kippt und eine bedrohte Schwiegermutter rettet, sich danach mit ihrer neuen Freundin Nelly einem Urlaub auf der Insel Mallorca  gönnt und hat Affären, verstand es Milena Moser, kleine Leute literarisch interessant zu machen. Der Stoff wurde verfilmt fürs Kino von Peter Timm.
Milena Moser sagt, dass sie das Schreiben als eine Vorsetzung des Lebens ansieht, es sie glücklich macht, überdrehte Typinnen darzustellen, die aber beim zweiten Blick auch viel Durchschnittliches aufweisen, ein Herz haben und Frauenpower wie im 2005 erschienen ” Das Schlampenbuch. Erzählungen. Krösus, Zürich 1992 besitzen
Hier zahlen es die Frauen niederträchtigen Liebhabern und verlogenen Showmastern heim; sie treiben in Boutiquen, Fitneß-Studios und Straßenbahnen finstere Dinge; sie spielen gnadenlos mit Messer, Schere, Gift.
Einen Wendepunkt im Leben Milena Moser war ihr achtjähriger Aufenthalt in Amerika. Hier war sie vor allem Mutter, ginge eine zweite Ehe mit dem Fotografen Thomas Kern ein und entdeckte das Lehren des creative writing. Zurück in der Schweiz hat sich ihre “Schreibschule” zusammen mit der Theaterautorin Sibylle Berg zum Anziehungspunkt für Schreibtalente aus dem ganzen Land entwickelt. Ihre Erfolg als Schreibkurslehrerin gibt Milena Moser auch an Schulen in Aarau weiter, wenn sie nicht an Lesungen mit mehrheitlich weiblichen Publikum vorliest. www.milenamoser.com

Peter Bichsel - Stimme für den unbekannten Nachbaren

Solothurn ist eine barocke Kleinstadt am Jurasüdfuss. In ihr wohnt die Durchschnittlichkeit. Im Cafe “Kreuz” sitzt fast täglich der Schriftsteller Peter Bichsel und der wurde vor letzten Monat 75. Jahre alt.
Ihn kennt jedes Kind, einige vielleicht mehr, den er war in den 60er Jahren mal Primarlehrer, aber sicher seine Literatur. “ Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen. 21 Geschichten.” 1964 Luchterhand,  sind Geschichten von Menschen, die nicht auffallen, einer Arbeit nachgehen, konservativ leben, aber gleichwohl voller Träume und der Sehnsucht leben, eigentlich jemanden kennenzulernen möchten, den sie täglich sehen, aber nie an ihn herankommen, da die Scheu oder die äusseren Umständen es nie zulassen. Es ist und waren genau diese Schweizer, die im Ausland als angenehm empfunden werden, da sie nie anstössig sind und im Inland jeder Konfrontation aus dem Weg gehen, die Peter Bichsel beschrieb.
Die kleinen Geschichten des Alltages immer in sehr kurzen Sätzen wiedergeben sind, neben seiner Person mit der nasalen Stimme sind das Charakteristikum des Solothurners. Zu Beginn seiner literarischen Laufbahn schreib er ”Kindergeschichten” 1969 Luchterhand, für die er zwei Jahre später den deutschen Jugendbuchpreis gewann.
In den sechziger Jahren war die Schweizer Literaturszene noch unstrukturiert und ohne Förderung. Die Gruppe 47 Olten und sein Gründer Bichsel schufen eine Förderstelle, der auch Max Frisch angehörte
1967 erschien der erste Roman “Die Jahreszeiten” Luchterhand. In «Die Jahreszeiten» gibt es zwei parallel verlaufende Geschichten, die einen gemeinsamen Bereich haben und sich so vermischen. Die eine Geschichte ist die eines Hauses, das 1927 erbaut worden ist und in dem der Ich-Erzähler mit seiner Familie in einer Wohnung lebt. Erzählt wird, wie das Haus altert und Renovationen nötig werden, wie ein Boiler ersetzt werden muss oder wie Ungeziefer die Dachverdeckung befällt und über viele alltägliche Dinge. Ebenfalls schreibt der Ich-Erzähler über die Bewohner des Hauses, hier kommt die zweite Geschichte ins Spiel. Während der Erzähler sein Zimmer beschreibt, bringt er die Rede auf einen Wasserkrug, der auf einer Kommode steht. Dieser Wasserkrug existiert jedoch nicht so, wie der Erzähler ihn beschreibt, aber er könnte so existieren. Nun gibt der Erzähler dem Wasserkrug eine Geschichte, die durchaus wahr sein könnte. Mittels dieser Geschichte lernt der Leser Kieninger kennen, eine Figur des Erzählers, die ihm den Wasserkrug gebracht hat.
Durch seine Freundschaft mit dem späteren Bundesrat Willi Ritschard und den politischen Wirren der siebziger Jahre veränderte sich sein Schreiben. Er wurde Verfasser von Kolumnen in der Weltwoche und Redeschreiber von Ritschard. Ausser Aufsätzen zur Zeit hat er bis 1985 nichts veröffentlicht. Dann erschien  “Der Busant” Luchterhand. Busant heißt ein reicher Heimwehsolothurner, mit dessen Geld Solothurns Altstadt “schöngemacht” (und unbewohnbar) wird. Busant ist aber auch der Name des Vogels, der die mittelalterliche Geschichte von der schönen Magelone und dem Grafen Peter von Provence, die Geschichte einer lebenslangen Liebe und Suche, ausgelöst hat. Und die schöne Magelone ist nicht nur eine Königstochter aus dem fernen Neapel, sondern auch eine ewig betrunkene Sekretärin oder Serviertochter aus dem heutigen Solothurn…
Eine grosse Leidenschaft Peter Bichsel ist das Bahnfahren. Viele seiner Texte und vor allen seine Kolumnen für die Zeitschrift  Schweizer Illustrierte entstanden in der Bahn und mit
Eisenbahnfahren/ Insel, Frankfurt 2002 und  Kolumnen, Kolumnen. Suhrkamp,2005 sind diese auch als Buchform erschienen.
Bis zur Ehrung mit dem Gottfried Keller Preis 1999 war er viel fürs Radio tätig und verfasste die in den 70/80er erfolgreichen Hörspiele.
“Dezembergeschichten”, Insel 2007 und sein “Über Gott und die Welt - Schriften zur Religion.” Suhrkamp 2009 sind seine letzten Bücher, die einen melancholischen Bichsel zeigen, der wie immer viel über den Menschen und sein Beschränktheit nachdenkt und seine Haltung, wenn der Mann von nebenan morgen wieder seiner Arbeit nachgeht als wären die existenziellen Fragen vom Tisch.